Kaum zu glauben, aber irgendwo hier spielen auch Frauen Fußball. Eine Landschaft in Tunesien.

Kaum zu glauben, aber irgendwo hier spielen auch Frauen Fußball. Eine Landschaft in Tunesien.

Was hierzulande mittlerweile eine Selbstverständlichkeit ist, ist in Afrika noch im Entstehen begriffen: Frauenfußball. Dass Mädchen und Frauen dem Ball nachjagen und ihn möglichst im gegnerischen Tor versenken, war auch in Deutschland einmal eine Ausnahme. Mittlerweile, etliche Europameister- und zwei Weltmeisterschaftstitel später, ist Deutschland führend im Frauenfußball, wie man spätestens bei der WM 2011 im eigenen Land wieder wird bewundern können. Birgit Prinz und Inka Grings, Kerstin Garefrekes und nicht zuletzt Trainerin Silvia Neid heißen die auch international bekannten Stars des deutschen Fußballs.

Nicht so in Afrika, wo es neben den üblichen afrikanischen Problemen wie ausreichende Infrastruktur und zuverlässige Organisation eben auch die weit verbreiteten Probleme des Frauenfußballs gab und gibt: Dass viele rückwärts gewandte Eltern meinen, ein solcher Sport sei nichts für ihre weiblichen Nachkommen. Besonders in muslimisch geprägten Ländern sind die Vorbehalte weiterhin groß, doch auch wo nicht der Halbmond die Gesellschaft prägt, bleiben die Zweifel groß, ob sich im Staub zu winden und Gegnerinnen vors Schienbein zu treten ein angemessener Zeitvertreib für Mädchen sei.

Teilnehmerinnenzahl fast vervierfacht

Glücklicherweise ändert sich die grundlegende Stimmung diesbezüglich gerade, und, was ein wenig überrascht, selbst in muslimisch geprägten Ländern wachsen die Frauenteams wie, nun ja, nicht wie Pilze aus dem Boden, aber doch sicher wie Palmen aus den Oasen.

In Tunesien beispielsweise hat sich die Zahl der lizenzierten Frauenspielerinnen in nur 5 Jahren von 600 auf 2000 erhöht, es gibt eine Meisterschaft für die Frauen; auch in Äthiopien ist der Zulauf für den Frauensport groß. 5.000 Spielerinnen sind hier gemeldet und die ersten Erfolge können sich auch sehen lassen: 2004 beendete die ähtiopische Frauenmannschaft das Afrika-Turnier auf dem 4. Platz.

Woher kommt dieses neue, große Interesse?

“Die Zukunft des Fußballs ist weiblich”, sagte FIFA-Boss Sepp Blatter schon vor längerer Zeit, und er tut alles dafür, dass es tatsächlich so kommt. Großzügig fördert die FIFA die fußballerische Weiterentwicklung in Afrika, mit besonderem Augenmerk auf die Frauen. Ordentlich Reibach macht die FIFA jedes Mal bei ihrem Weltturnier, so werden für die WM 2010 in Südafrika knapp 1 Milliarde Euro an Fernsehgeld-Einnahmen prognostiziert. Ein beträchtlicher Anteil dieser Gelder geht in den afrikanischen Frauenfußball. Von den 250.000 US-Dollar, die jeder einzelne Verband erhält und den 2,5 Millionen Dollar, die der afrikanische Gesamtverband erhält, müssen 15 Prozent in den Frauenfußball investiert werden. Nun kommt dabei mit knapp 3000 US-Dollar pro Monat nicht so allzuviel rum, würde man meinen. Dabei vergisst man aber die Relationen in Afrika, wo man mit diesem Geld durchaus schon etwas bewegen kann.

Großzügige Förderung durch die solvente FIFA

Weltweit gesehen ist jeder 10. Fußballspieler respektive -spielerin eine Frau. Die Zuschauerzahlen auch bei TV-Übertragungen steigen ebenfalls ständig. Sahen 1999 noch gerade mal 130 Millionen Menschen die Weltmeisterschaft der Frauen, waren es 2007 schon über 700 Millionen, und zur WM 2011 in Deutschland erwartet die FIFA, dass das Turnier der Frauen erstmals eigene Gewinne abwirft.

Und wenn es mal wieder darum geht, einen neuen oder besser noch den alten FIFA-Chef wiederzuwählen, werden großzügig geförderte Frauenspielerinnen sich sicher an diese Förderung erinnern und ihren Einfluss in die passende Richtung geltend machen. Keine Investition ohne Hintergedanken.

Den Spielerinnen, die davon profitieren, kann’s egal sein, dem Fußball als solchem auch. Wer weiß, angesichts dieser Zahlen, ob der erste Fußball-Weltmeister aus Afrika überhaupt eine männliche Mannschaft sein wird …

(Bleibt noch, auf unseren Beitrag zu verweisen, der sich mit sehr, sehr alten Frauenfußballerinnen in Afrika beschäftigt.)

Creative Commons License photo credit: veroyama