Günter Netzer hört auf
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Günter Netzer hört auf

17. Dezember 2009

Weder so noch in zivil werden wir ihn nach der WM noch erleben: Günter Netzer hört auf.

Weder so noch in zivil werden wir ihn nach der WM noch erleben: Günter Netzer hört auf.

Da müssen die Fußballfans schlucken: die WM in Südafrika wird die letzte von Günter Netzer sein, welche er als Kommentator oder Analyst betreut. Natürlich kann man auch bei dem mittlerweile arg gealterten Herrn, der seit 40 Jahren die gleiche, obskure Frisur trägt, geteilter Meinung sein, ob seine Analysen nicht an Tiefe vermissen lassen. Und ob seine manchmal doch ein wenig geplant daherkommenden Auseinandersetzungen bzw. Sticheleien mit Kompagnon Gerhard Delling an Witz und Esprit verloren haben. Hier ist man der Meinung: Nein, man könnte gerne noch ein wenig länger die sich zwar oft verhaspelnde, aber sonore und vor allem meist Zutreffendes aussprechende Stimme des gebürtigen Mönchengladbachers hören.

Zittern vor der Wahl des Nachfolgers

Nicht nur steht dem grundsätzlich im Wege, welches Sprachungeheuer Günter Netzers Nachfolger werden könnte (Klopp, Ricken, Sammer,…), Netzer hat es vor allem nie an der nötigen Distanz vermissen lassen, obwohl das, was er dort analysierte, sogar sozusagen sein eigenes Produkt war. Denn der gewiefte Geschäftsmann, kürzere Zeit auch mal als Bundesliga-Manager in Hamburg beschäftigt, wo er den Coup landete, Franz Beckenbauer aus den USA zurück in die Bundesliga zum dortigen HSV zu holen, verfügt auch vermittels einer Rechte-Handelsgesellschaft über Teile der Rechte einer Fußball-WM. Zumindest war das mal der Fall.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kandidaten der tv-ausstrahlenden Zunft (man denke an Kerners Werbeverträge mit Air Berlin, für deren Aktie er vorher in einer Sendung Werbung machte, oder im selben Kontext an Manfred Krugs Schiffbruch mit seiner Werbung für den Börsengang der Telekom) ließ er aber nie Zweifel an der Unabhängigkeit seines Werturteils in Bezug auf die gebotenen Leistungen der deutschen Kicker kommen.

Netzer, der scharfe, sich verhaspelnde, aber deutliche Kritiker

So war er zu ihren schwachen Zeiten um die Jahrtausendwende herum einer der schärfsten und deutlichsten Kritiker der Nationalmannschaft, mitten in der besten Übertragungszeit, ja, nur einige wenige Meter von den Verantwortlichen entfernt. So steht das Wort Island seit einem Wutausbruch Rudi Völlers vor laufender Kamera in Fußballdeutschland heutzutage synonym für diese Szene, in der sich Netzer von Völler als “Guru” beschimpfen lassen musste, der früher selbst (Welt- und Europameister ist Günter Netzer als Aktiver geworden) nur “Standfußball” gespielt habe. Wie ein elder statesman ließ Netzer nicht nur diesen Angriff an sich abperlen. Auch seinen Wetteinsatz nach einer verlorenen Wette bei Thomas Gottschalks “Wetten, dass …?” überlebte er erhobenen Hauptes: Als er mit einem goldpaillierten Anzug eines Zirkusdirektors ein Spiel vor einem Millionenpublikum analysieren musste, er, der sonst immer in Schlips und Kragen auflaufende Grandseigneur.

Nun wird es bei der WM 2010 also zum letzten Mal das Adolf-Grimme-Preis-gekrönte Duo Gerhard Netzer und Günter Delling geben, wie gewohnt immer dann, wenn die deutsche Mannschaft bei der ARD übertragen wird, was im Wechsel mit dem ZDF geschieht. Da das Finale vom ZDF übertragen wird, ist spätestens mit dem Spiel um den 3. Platz Schluss dieses Abschnitts der illustren Karriere Günter Netzers. Vom einfach Bundesliga-Spieler über den Diskothekenbesitzer (“Lover’s Lane” in den 1970ern in Mönchengladbach), den Weltmeister, über den Bundesliga-Manager und TV-Rechtehändler zum bekannten und größtenteils beliebten Gesicht der Länderspiele, wenn sie in der ARD übertrugen wurden.

Eine kleine Träne werden wir uns dann schon aus dem Knopfloch wischen, wenn die WM 2010 in Südafrika vorbei sein wird. Einer wie er kommt nicht mehr wieder. Aber bis dahin wollen wir uns vom alten, immerhin seit der WM 1998 betreibt er diesen Nebenjob, Analysten Günter Netzer noch mal akustisch und inhaltlich (und ja, auch optisch) verwöhnen lassen.

Als kleine Reminiszenz hier noch mal Völlers Wutrede und Netzers Reaktion darauf.

Und dann noch mal ein wenig bekanntes Stück daraus, wie Delling und Netzer miteinander umzugehen pfleg(t)en.

Hoffen wir, dass in Südafrika noch ein paar solcher späteren Evergreens hinzukommen.


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1 Kommentar »

  1. Sehr geehrte herr Günther Netzer,

    Ich wohne in Holland, Prov.Groningen, nahe an der Grenze und sehe mich seit 60er Jahre die Bundesliga ( HSV , Uwe Seeler. Jürgen Werner, Hellmut Schnoor,die Dörfel Brüder, Rudi Cargus, Uli Stein,und viele, viele andere )die Deutsche Nationalmannschaft usw. an. Seit längerer Zeit sehe und höre ich mich met dem allergrössten Vergnügen Ihren sachkundige, unterkühlte und machmal leicht ironische Kommentare an während die Spieler ihre( allzeit wohlverdiente?) Ruhe und Tee geniessen in der Pause, und nachher, dass alles in zusammenarbeit mit herrn Gerhard Delling.

    Ich bedaure am allertiefsten dass Sie mit diesen Sendungen aufhören und möchte mein Dank aussprechen dass Sie mir verschiedene Stunden grösste Unterhaltung geboten haben wobei ich auch nog einiges (sag: vieles) dazu gelernt habe im tehnischen, tactischen und fussballerischem Bereich.

    Nochmals ein grosses Danke Schön, Alles Gute, und vor allem, bleiben Sie gesund !

    Vielleicht gibt es möglicherweise später nochmal ein
    ” Comeback”, ich würde dass begrüssen,da können Sie sich sicher sein.

    Mit freundlichem Gruss,

    Jan Schuitema

    Kommentar by Jan Schuitema — 29. Juni 2010 @ 15:47

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