Warum Südafrika bei der WM 2010 gesetzt ist
24. November 2009| Tweet |

Heimvorteil volles Stadion.
Der Vorteil einer solchen Regelung, der auf der Hand liegt, ist der, dass der Ausrichter schon lange vor allen übrigen Mannschaften weiß, wann er in welchem Stadion antreten wird und demgemäß die größten Stadien für seine Heimspiele bei einem solchen Turnier auswählen kann, womit er sicherstellt, dass er die bestmögliche Unterstützung durch seine Fans erhalten wird.
Der Vorteil einer solchen Regelung, der vielleicht nicht ganz so auf der Hand liegt ist der, dass er in der Vorrunde nicht auf die 7 stärksten Teams der Welt stoßen kann, sondern höchstens auf das 8.-beste Team, und mit ein bisschen Losglück sogar nur auf das 15.-beste Team von allen qualifizierten. Wozu sich dann nur noch zwei weitere, als schwächer eingestufte Teams aus dem Pool der teilnehmenden Mannschaften gesellen.
Mit ein bisschen Glück ein Remis gegen den starken Gegner, mit noch weniger Glück einen Sieg und somit drei Punkte gegen eins der schwächeren Teams geholt und schon steht der Ausrichter mit einem Bein in der nächsten Runde.
Wäre der Ausrichter nicht gesetzt, sondern würde anhand seiner Spielstärke in die Lostöpfe einsortiert, drohte mindestens ein sehr gutes, im Falle von Südafrika sogar noch zwei weitere relativ gesehen starke Teams. Und ein Ausscheiden würde wahrscheinlicher werden.
Südafrikas Nachbarn sind nicht qualifiziert
Das kann natürlich nicht im Interesse desjenigen sein, der ein solches Turnier mit viel Brimborium veranstaltet. Erst recht nicht, wenn der Ausrichter Südafrika heißt und somit aus Einnahmesicht zwei große Nachteil bietet. Erstens liegt Südafrika nun mal in Afrika und verfügt somit ohnehin nur über wenig zahlungsstarkes Publikum. Und zweitens liegt es ganz im Süden von Afrika, hat somit, anders als noch bei der WM 2006 Deutschland mit nicht weniger als 10 (!) Nachbarstaaten, nur ein paar wenige Nachbarn, deren Teams noch dazu nicht qualifiziert sind. Von dort kann also niemand nachrücken, um ein eventuell abflauendes Interesse der Zuschauer abzufedern.
Neben den reinen Zuschauerzahlen und den direkt damit verbundenen Einnahmen gibt es noch ein zweites, äußerst schlagkräftiges Argument für einen möglichst lange im Turnier verbleibenden Ausrichter: Wenn die eigene Mannschaft ausscheidet, sackt die Stimmung im Land rapide ab, und das überträgt sich auf die Atmosphäre in den weiteren Partien. Schlechte, unangenehme Katerstimmung ist aber nicht gerade verkaufsfördernd, wenn man ohnehin sein Produkt nur alle vier Jahre verkaufen kann und sich mit dem südafrikanischen Winter schon nicht die allerbesten Voraussetzungen in Bezug auf Feierlichkeiten der (auch auswärtigen) Fans geschaffen hat. Von der Sicherheitslage ganz zu schweigen.
Noch nie ein Ausrichter in der Vorrunde ausgeschieden
So verfährt man also mit dem Ausrichter so, dass man ihm schon bei der Auslosung die ganz dicken Brocken erspart, er noch dazu in den größten Heimstadien spielen kann, schon lange im Vorhinein weiß, mit welchen Austragungsorten er planen muss, tut kurz gesagt alles, um ihm den Verbleib im Turnier so einfach wie möglich zu machen. So geschehen 1994 bei den damals sportlich recht schwachen USA, so geschehen bei den beiden Co-Ausrichtern Südkorea und Japan bei der WM 2002. In allen drei Fällen hat diese Maßnahme geholfen, keines der drei Länder musste die Schmach über sich ergehen lassen, dass es als erster Ausrichter überhaupt bei einer WM schon in der Vorrunde ausscheidet.
So war beiden Seiten geholfen: der Fifa, die weiterhin ein schönes Produkt verkaufen konnte (Südkorea gelangte immerhin äußerst überraschend und mit gütiger Unterstützung der Schiedsrichter ins Halbfinale), und dem Gastgeber, der seine Zuschauer nicht enttäuschen musste.
Auch andere Überraschungen sind willkommen
Auch für Südafrika ist diese Hilfestellung geplant. Und in weiten Teilen ist sie auch legitim, schließlich soll ein Ausrichter auch bei einer WM seinen Heimvorteil nutzen dürfen, der rein über die Kenntnis der klimatischen Begebenheiten hinausgehen darf.
Allein, es bleibt die Frage, ob all diese Maßnahmen für Südafrika ausreichen werden. Viel wahrscheinlicher ist, dass eines der anderen Teams aus der dann schwach besetzten Gruppe A mit Südafrika als Gruppenkopf von der Zusammensetzung profitieren wird. Aber auch das sollte uns nicht allzu sehr grämen: Australien mal wieder im Achtelfinale, Honduras als Überraschung oder vielleicht nach langer, langer Zeit Chile mal wieder im Viertelfinale:
Wir freuen uns auf die Überraschungen, die da kommen mögen. Für Südafrika hegen wir allerdings nur wenig Hoffnung.
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Schlagworte: Auslosung, Australien, Chile, Deutschland, Gruppe A, Gruppenkopf, Honduras, Japan, Setzlisten, Südkorea, USA, WM 1994, WM 2002, WM 2006



