Maradona, das Wunderkind, überschreitet wieder die Grenzen
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Maradona, das Wunderkind, überschreitet wieder die Grenzen

19. Oktober 2009

Auf und Ab - dem Wunderkind Maradona immanent.

Auf und Ab - dem Wunderkind Maradona immanent.

Diego Armando Maradona, er ist kein Nationalheld in Argentinien, er ist eine Gottheit. “D10S” wird er in Anlehnung an das legendäre Trikot mit der Nr. 10 mit dem spanischen Wort für “Gott” oft genannt. Er schoss nicht nur das “Tor des Jahrhunderts”, als er nicht weniger als 6 Gegenspieler bei der WM 1986 stehen ließ und ein Solo von der Mittellinie mit einem erfolgreichen Torschuss abschloss. Gleichzeitig zeigte er in dieser Partie des WM-Viertelfinales 1986 gegen England auch seine zweite, weniger glorreiche, manche nennen es schlitzohrige, manche nennen es am Rande des Betrugs wandelnd, weniger helle Seite: Zuvor hatte er nämlich ein Tor mit der Hand erzielt und hinterher behauptet, es sei die “Hand Gottes” gewesen.

Genau dieser ständige Wechsel ist Kennzeichen von Maradonas Leben: hell und dunkel, magisch und abstoßend, erfolgreich und gnadenlos scheiternd, nur um dann doch wieder wie ein Phönix aus der Asche aufzuerstehen. Fett, ungesund, kurz vorm Herztod durch zu viele Drogen, Kokain sei nur als eine der liebsten genannt, dann wieder quicklebendig, unterhaltsam und gewitzt mit seiner eigenen Talkshow im argentinischen Fernsehen. Bei ihm weiß man nie, was als nächstes kommt. Von außen gesehen macht es sein Auf und Ab äußerst unterhaltsam und nie langweilig, seinen Werdegang zu verfolgen. Für ihn selbst muss das ständige Auf und Ab aber genauso an der Gesundheit zehrend sein, wie seine Ernährung und sein sonstiger Lebensstil.

Phönix aus der Gottheits Asche

Immer wieder musste er als Notfall in Kliniken eingeliefert werden, immer wieder ging seine Figur aus dem Leim, selbst eine Magenverkleinerung führte zu keiner dauerhaften Verbesserung. Steuerschulden in Italien machten jahrelang eine Einreise in dieses Land, wo die Fans des SSC Neapel, den er damals als Aktiver zur Meisterschaft geführt hatte, extra eine eigene Glaubensgemeinde für ihn gegründet hatten (“Die Kirche des Dios”), unmöglich. Vaterschaftsklagen hat er mehr als Finger an seinen Händen Gottes erlebt, wie viele Kinder er nun tatsächlich hat, weiß er wahrscheinlich selbst nicht genau.

Bei der WM 2006 in Deutschland trat er noch als Edelfan seiner Gauchos, seiner argentinischen Nationalmannschaft auf. Dort wollte er aus Protest das Stadion verlassen, weil Teilen seiner Entourage der Zugang zum Stadion verwehrt bleiben sollte: sie hatten schlicht keine Karten für diese Partie. Auf und Ab, und auf und ab, und der neue Job Maradonas verwundert angesichts dieser Vorgeschichte umso mehr:

Drama, Drama, Drama

Jetzt ist er Nationaltrainer in Argentinien. Und er wäre nicht Maradona, wenn er seine Mannschaft nicht erst nahe ans Scheitern führen würde, um sie dann umso glorreicher kurz vor dem Abgrund, an den er sie selbst geführt hatte, doch noch zu retten. Der von ihm eingewechselte Verteidiger erzielte das entscheidende Tor in der 77. Minute einer Partie, die auf keinen Fall verloren werden durfte und am besten eben, für die Direktqualifikation nach Südafrika, gewonnen werden sollte. Typisch Maradona eben, der nicht einfach, ruhig, besonnen vor sich her arbeiten kann, sondern der das Drama anzieht, wie das Licht die Motten, der ohne nicht kann und mit dem man eben nie in ruhiges Fahrwasser geraten wird.

Nun wird er also auch als Trainer zur WM fahren. Und da darf man sich tatsächlich schon auf den einen oder anderen exaltierten Auftritt freuen, denn wie feierte er noch zuletzt seine Qualifikation für die WM?

“Alle, die mich kritisiert haben, dass ich die WM-Qualifikation nicht schaffen würde, und die meinten, ich sei der Falsche für diesen Posten – die Damen sollten jetzt mal weghören – können mir jetzt erstmal gepflegt einen blasen.”

Na dann.

Creative Commons License photo credit: dickobrien


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1 Kommentar »

  1. Das ist wirklich schon heftig, wie sich ein Mensch so dermaßen verändern kann (siehe Bild). Aber bei dem Lebensstil ist es jedoch allerdings kein Wunder.

    Kommentar by Ingrid — 20. Oktober 2009 @ 15:05

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