Tu-Hon und kroatische Schlitzohrigkeit
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Tu-Hon und kroatische Schlitzohrigkeit

8. Juni 2009

Australien fährt zur WM 2010Nach dem Großkampftag in der Qualifikation zur WM 2010 am vergangenen Samstag stehen bereits fünf der 32 Teilnehmer fest. Südafrika ist als Ausrichter ohnehin schon seit dem Zeitpunkt der Vergabe qualifiziert. Nun kommen also vier Mannschaften auf sportlichem Wege hinzu. Drei davon aus Asien, einer aus Europa:

Nach dem bitteren Verpassen der WM 2002 in Südkorea und Japan sind die Niederlande nun wieder, wie auch schon bei der WM 2006, qualifiziert. Uneinholbar mit 18 Punkten führen die Niederländer ihre Qualifikationsgruppe 9 an, nachdem sie gegen das immer mal wieder als Stolperstein fungierende Island mit 2:1 gewannen. Interessanterweise hat in dieser Gruppe selbst Island mit gerade mal 4 Punkten aus 6 Spielen noch die Chance, den für die Playoff-Spiele berechtigenden zweiten Platz zu erreichen. Der derzeitige Zweite Schottland hat bislang in 5 Partien 7 Punkte erreicht. Die gesamte Gruppe ist derart eng beieinander, dass man möglicherweise am letzten Qualifikations-Spieltag einen ähnlich spannenden Showdown erleben wird, wie zuletzt in der Bundesliga. Die Niederlande jedoch sind durch, und treten bei der WM 2010 in Südafrika an, um endlich einmal Weltmeister zu werden, wie es ihrem Selbstverständnis entspricht. Schauen wir auf die WM-Bilanz der Niederländer, sehen wir jedoch, dass bis weit in die 1970er Jahre von einer holländischen Dominanz im Weltfußball eigentlich nichts zu spüren war:

1934: Achtelfinale
1938: Achtelfinale
1974: Zweiter
1978: Zweiter
1990: Achtelfinale
1994: Viertelfinale
1998: Vierter
2006: Achtelfinale

Für Asien stehen also bereits drei Teilnehmer fest, darunter das geografisch nicht zu Asien gehörende Australien. Japan und Südkorea, die beiden Ausrichter der WM von 2002 können nicht nur von diesem Schub für den heimischen Fußball profitieren und sind erneut dabei. Schauen wir zunächst auf die Bilanz der “Socceroos”, wie die australische Nationalmannschaft genannt wird:

1974: Vorrunde
2006: Vorrunde

Erst die dritte Teilnahme steht also an für Australien, wo viele der Fußballnationalspieler kroatische Wurzeln besitzen, leicht zu erkennen an der Vielzahl der kroatisch anmutenden Nachnamen in der Aufstellung der Australier.

Weit häufiger als Australien war Südkorea für eine WM qualfiziert, das 2002 sogar mit einem hervorragenden vierten Platz die beste Platzierung einer asiatischen Mannschaft bei einer WM überhaupt erreichte:

1954: Vorrunde
1986: Vorrunde
1990: Vorrunde
1994: Vorrunde
1998: Vorrunde
2002: Vierter
2006: Vorrunde

Seit 1986 nimmt Südkorea also ununterbrochen an Weltmeisterschaften teil, konnte aber nur mit dem Heimvorteil im Rücken über die Vorrunde hinaus kommen. Die oft bienenfleißigen Arbeiter im Team Südkoreas lassen häufig den letzten Willen zum Durchsetzen vermissen. So ziert die Brust der südkoreanischen Spieler auf dem Trikot ein Tiger, auf dem Rücken steht der Spruch “Tu-Hon”, der zu deutsch “Kampfgeist” bedeutet. Daran hat es den Südkoreanern allerdings nie gemangelt, ein wenig mehr Schlitzohrigkeit, Kreativität und Treffsicherheit wäre da angebrachter, als nur über den Trumpf “Kampfgeist” zum Erfolg kommen zu wollen.

Japan ist zwar auch ununterbrochener Gast bei der WM, allerdings erst seit 1998, zuvor konnte man sich kein einziges Mal trotz neun Versuchen qualifizieren. Japans Bilanz ist ähnlich wie die Südkoreas: Wenn es nicht zu Hause ist, kommt Japan nicht über die Vorrunde hinaus:

1998: Vorrunde
2002: Achtelfinale
2006: Vorrunde

Umso bemerkenswerter ist diese eher schwache Bilanz, da Japan gerade in den letzten Jahren im asiatischen Fußball als Vormacht gelten darf: 1992, 2000 und 2004 wurde Japan jeweils Asienmeister im Fußball. Woran es bei Japan hapert, ist nicht ganz so einfach zu ergründen wie für Südkorea, denn kreativ und ballgewandt sind die Japaner allemale. Vielleicht fehlt auch hier, wie bei so vielen außereuropäischen Fußballnationen, die Möglichkeit, sich täglich und wöchentlich in einer der europäischen Ligen mit den besten Spielern der Welt zu messen. Zwar spielen vergleichsweise viele Japaner in den europäischen Ligen, sind aber oft nicht erste Wahl oder bleiben nur wenige Saisons.

Kein Neuling also unter den ersten fünf qualifizierten Mannschaften, so dass wir für Überraschungsgäste eher auf die Qualifikation in Europa und in Afrika hoffen müssen. In Südamerika wird es traditionsgemäß schon wegen des Qualifikationsmodus keine Überraschungen geben und in Nordamerika sind zwei der drei Plätze ohnehin schon so gut wie für die USA und Mexiko, ebenfalls zwei alte Bekannte bei Weltmeisterschaften, gebucht. Als Farbtupfer dürfen Japan und Australien mit ihrer erst dritten bzw. vierten Teilnahme überhaupt dennoch gewertet werden. Und vielleicht klappt ja diesmal bei einem von beiden etwas mehr als nur die Teilnahme. Der Eindruck, den der australische Fußball insgesamt hinterlässt, scheint stark zu sein:

“Tu-Hon” gepaart mit kroatischer Schlitzohrigkeit, das könnte etwas geben.

Creative Commons License photo credit: crug06


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