Kein Gewinner am Huangpu
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Kein Gewinner am Huangpu

2. Juni 2009

Das Leben ist ein großer Strom: 1:1 in China

Das Leben ist ein großer Strom: 1:1 in China

Gegen den fußballerisch übermächtigen Gegner China ertrotzte die deutsche Nationalmannschaft am vergangenen Freitag ein 1:1-Remis, bei dem das Endergebnis schon nach 8 Minuten feststand. Nach 5 Minuten sah es so aus, als würde der Weltmeisterschaftsdritte Deutschland von den Chinesen, die sich immerhin schon genau ein Mal für eine WM qualifizieren konnten, zerlegt. Robert Huth bewies, wieso man in den letzten drei Jahren auf ihn verzichten konnte, als er sich durch eine einfache Körpertäuschung ausspielen ließ und zeigte, dass er nichts von seiner nie vorhandenen Antrittsschnelligkeit eingebüßt hat.

Der derzeitige Stammtorwart Robert Enke, der wider aller Hoffnungen der Kondomindustrie doch nicht mit seinem noch im Training getragenen Kopf-Kondom auflief, war wieder überwunden. Ein Gefühl, das er aus seiner Bundesligasaison mit Hannover 96 sehr gut kennt. Chancenlos zwar, dennoch keine gute Werbung für ihn.

Nur 3 berühmte Zeigerumdrehungen später erzielte Lukas Podolski den Ausgleich. Mit seinem 33. Tor für die Nationalmannschaft zog er in der ewigen Torschützenwertung mit dem großen Fritz Walter gleich. Dieser hatte damals allerdings aufgrund des zweiten Weltkriegs auch auf seine besten Jahre in der Nationalmannschaft verzichten müssen. Podolski wird erst am kommenden Donnerstag 24 Jahre alt, so dass es durchaus im Bereich des Möglichen ist, dass Podolski eines Tages Gerd Müller mit dessen 68 Toren für die Nationalmannschaft als bester Schütze ablöst. Zumindest die Statistik wird es dabei nicht interessieren, gegen wen die Tore erzielt wurden, ob nun gegen große Mannschaften wie China oder eher kleine wie Frankreich oder Brasilien.

Im Moment des Torschusses von Podolski zeigte Gomez, dass er seit der von ihm schwachen Europameisterschaft dazu gelernt hat. Statt wie damals noch beste Chancen aus kürzester Distanz zunichte zu machen, sprang er hoch, so dass Podolskis Schuss unbeirrt den Weg ins Tor finden konnte. Chapeau, Mario Gomez, auch wenn es mit einem eigenen Tor wieder mal nicht geklappt hat. Es kann sich schließlich nur noch um Stunden handeln, bis auch er wieder trifft.

Im weiteren Verlauf der Partie passierte dann eigentlich gar nix, was nicht erstaunlich ist, weil die deutsche Nationalmannschaft ohnehin nicht wirklich zum Fußballspielen gekommen war, sondern zum Geschäftemachen, bzw. im Falle Chinas zum Geschäfte-überhaupt-erst-ankurbeln. Nur 25.000 Zuschauer wollten die großen deutschen Stars wie Christian Gentner, Manuel Schäfer und Christian Träsch sehen, welche selbst der eine oder andere deutsche Fußballfan kaum kennt. Die geringe Zahl der Zuschauer lag sicher nicht einzig daran, dass die Chinesen wenig von ihrer eigenen Nationalmannschaft halten. Wenn man Werbung für sich machen möchte, sollte man dazu doch die Spieler verwenden, die international schon bekannt sind. Nicht überraschend, dass diese uneingespielte und auch qualitativ schlechtere Mannschaft so wenig erreichte. Wie so häufig das treffende Fazit von Günter Netzer: Es hat an allem gefehlt.

Diese Form der Non-Werbung kann die deutsche Nationalmannschaft am Dienstag bei der Partie in den Vereinigten Arabischen Emiraten fortsetzen. Dass Manuel Neuer zu seinem Debüt bei diesem ungeliebten Trip kommt, sollte ihn nicht zwangsläufig positiv stimmen. Robert Enke fuhr 1999 bei einer vergleichbaren Reise der Nationalmannschaft mit. Auf seine nächste Berufung musste er dann aber knapp 10 Jahre warten.

Und seine beiden Konkurrenten, René Adler und Tim Wiese hatten noch dazu die Gelegenheit, sich am Samstag beim Pokalfinale einem größeren, interessierteren Publikum zu präsentieren, was zumindest Tim Wiese einwandfrei gelang.

Offensichtlich kann es bei dieser Reise nur einen Gewinner geben: Die Schatzmeister der Bundesligaklubs bzw. des DFB. Der sportlich interessierte Fußballzuschauer ist es definitiv nicht. Schade.

Creative Commons License photo credit: dawvon


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