Rugby Union und Fußball in Südafrika
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Rugby Union und Fußball in Südafrika

20. Mai 2009

Denkt man an Südafrika, dann denkt man — sofern man sich ein wenig für Sport im Allgemeinen interessiert — immer auch an Rugby. Ein Sport, der in Deutschland ein noch trostloseres Randdasein führt als American Football, welcher nicht nur zum Super Bowl gerne geschaut wird, sondern auch tatsächlich in einer eigenen Liga praktiziert wird. Die Auflösung der NFL Europe hat der Begeisterung der wenigen Aktiven sowie der vielen Passiven in Deutschland keinen Abbruch getan. Rugby-Spieler, Rugby-Teams muss man dagegen in Deutschland schon mit der Lupe suchen.

Deshalb wäre es nicht erstaunlich, wenn man von den Rugby-Aktivitäten Südafrikas wie auch unserer europäischen Nachbarn noch nicht so viel gehört hätte. In Großbritannien, in Frankreich, selbst in Italien spielt man tatsächlich leidenschaftlich Rugby. So gibt es in Europa das “Six Nations”-Turnier, bei dem neben den vier britischen Verbänden auch Italien und Frankreich teilnehmen und eine inoffizielle Europameisterschaft ausspielen.

Six Nations und Tri Nations

Südafrika liegt aber nicht in Europa, um an einer solchen Meisterschaft teilzunehmen. Deshalb hat das südafrikanische Rugby ein Dreierturnier mit Australien und Neuseeland als weiteren Teilnehmern eingerichtet, das sog. “Tri Nations”, welches intern einen ähnlichen Stellenwert besitzt wie das “Six Nations”-Turnier. Dieses Turnier gewann Südafrika 1998 und 2004.

Neben diesen beiden legendären Turnieren gibt es aber auch noch eine richtige Weltmeisterschaft, die ebenfalls alle vier Jahre stattfindet. Und siehe da: Dort ist Südafrika das, was es seinen Träumen — und man muss leider anfügen: seinen Träumern — zufolge 2010 auch gerne im Fußball wäre: Weltmeister.

2007 und 1995 gewann Südafrika dieses Turnier und ist bei der erst seit 1987 ausgetragenen Weltmeisterschaft somit ganz weit vorne dabei. Ein weiterer 3. Platz aus dem Jahr 1999 belegt dies.
Wie kommt es, dass das Rugby so erfolgreich ist und der Fußball vergleichsweise wenig? Im Fußball steht schließlich erst ein einziger Gewinn des Afrika-Cups, der immerhin seit 1957 und alle zwei Jahre ausgetragen wird, auf der Habenseite. Das war im Jahr 1996 — und auch noch im eigenen Land.

Zwei Fußballverbände für Weiße und Schwarz

Die Erklärung dafür liegt zum einen in der für Südafrika typischen früheren ethnischen Trennung der Vorlieben der verschiedenen Anteile der Bevölkerung. Während Rugby (sowie Cricket) nahezu ausschließlich von Weißen praktiziert wurde, gab es im Fußball diese strikte Trennung nicht, bzw. wurde sie relativ schnell wieder abgesetzt. Dennoch gab es sog. “weiße” und “schwarze” Ligen. Um auch ein Antreten gegeneinander und eine Mischung untereinander zu ermöglichen, wurden “weißen” und “schwarzen” Teams je drei Spieler der anderen Ethnie erlaubt und auch ein Ligenbetrieb mit gemischten Teams möglich. Die Trennung nach “Rassen” verhinderte aber die Herausbildung einer eigenen südafrikanischen Note des Fußballspiels und ein Zusammenwachsen und Betonen der Stärken der jeweiligen Gruppen.

In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg gab es unterschiedliche Fußballverbände, was der allgemeinen Politik der FIFA, nur einen Verband pro Land zu akzeptieren, zuwiderlief. Zudem wurde Südafrika schließlich 1964 wegen seiner Rassenpolitik von der FIFA suspendiert. Länderspiele gegen ausländische Konkurrenzteams waren somit nicht mehr möglich und viele Jahrzehnte der Entwicklung des Weltfußballs wurden verpasst. Demgemäß dauerte es bis in die späteren 1990er Jahre, bis Südafrika mit dem Gewinn des Afrika-Cups seinen ersten nennenswerten Erfolg vorweisen konnte.

Erst seit 1994 vertritt der aus dem “schwarzen” und dem “weißen” Fußballverband fusionierte SAFA alle Fußballspieler Südafrikas in der FIFA und erst 1992 wurde Südafrika wieder in die FIFA aufgenommen. Der durch die Suspendierung erlittene Stillstand im internationalen Vergleich wird, wenn überhaupt, nur langsam wieder aufgeholt: möglicherweise kommt die WM 2010 in Südafrika zu früh angesichts der sportlichen Entwicklung des Fußballs im Ausrichterland.


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