Wer qualifiziert sich für die WM 2010 in Südafrika?
17. April 2009| Tweet |
Bei den jüngst durchgeführten Qualifikationsspielen zur WM 2010 stellt sich natürlich die Frage, wer denn eigentlich an dem Turnier in Südafrika teilnehmen könnte. Seit der WM 2006 ist der Titelverteidiger (aktuell: Italien, wie man noch aus schmerzhafter Erinnerung von der WM in Deutschland weiß) nicht mehr automatisch qualifiziert. Einzig der Gastgeber ist auf jeden Fall qualifiziert, möglicherweise einer der Gründe, warum Belgien (zusammen mit den Niederlanden), aber auch Katar oder Uruguay über eine Bewerbung als Ausrichter nachdenken. Einzig der Gastgeber ist qualifiziert, und für die WM 2010 bedeutet das natürlich, dass “Bafana Bafana”, wie der Spitzname der Fußballnationalmannschaft von Südafrika lautet, auf jeden Fall teilnehmen wird.
Die übrigen 31 des 32 Teilnehmer umfassenden Starterfeldes müssen sich qualifizieren und je nach Verband, in dem sie Mitglied sind, kann diese Qualifikation schon mal drei oder noch mehr Runden umfassen.
Wie sind diese 31 Plätze nun aufgeteilt?
Europa 13 Teilnehmer
Europa, der traditionell sportlich erfolgreichste Verband, erhält lediglich 13 Startplätze. Das bedeutet als Folge natürlich auch, dass die eine oder andere große Fußballnation auf der Strecke bleiben könnte. Aber schauen wir genauer hin: 53 Teilnehmer, auf 9 Gruppen verteilt, ermitteln die WM-Fahrer dergestalt, dass der Sieger jeder Gruppe direkt qualifiziert ist. Die übrigen acht (!) besten Zweiten (das bedeutet, einer der neun Zweitplatzierten scheidet ohne weitere Qualifizierungschance aus, auch das könnte zumindest theoretisch noch Deutschland drohen) spielen in Playoffspielen gegen genau einen Kontrahenten die übrigen vier Plätze aus.
Zur Zeit wären direkt qualifiziert:
Dänemark, Griechenland, Nordirland, Deutschland, Spanien, England, Serbien, Italien, Niederlande.
Zweiter wären zur Zeit:
Ungarn, Schweiz, Slowakei, Russland, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Frankreich, Irland, Schottland.
Von diesen neun Zweiten würde wie erwähnt einer direkt ausscheiden, die anderen acht würden sich paarweise duellieren, so dass insgesamt fünf Mannschaften noch herausfielen.
Das bedeutet auch: Nach aktuellem Stand nicht qualifiziert für die WM 2010 in Südafrika wären so illustre Fußballnationen wie Portugal, Schweden, Türkei, Rumänien, Schottland und Norwegen sowie das weniger illustre Österreich.
Afrika 5 Teilnehmer plus Gastgeber Südafrika
Trotz seiner großen Zahl von insgesamt 51 Qualifikanten erhält Afrika nur 5 weitere Teilnehmer neben dem automatisch qualifizierten Gastgeber Südafrika. Grund hierfür ist das vergleichsweise schwache Abschneiden afrikanischer Nationen bei Fußball-WM-Turnieren. Kamerun bildet weiterhin mit seinem Gala-Auftritt bei der WM 1990 die Ausnahme, ansonsten ist für afrikanische Mannschaften fast immer spätestens nach dem Achtelfinale Schluss.
In Afrika finden sich nach einer kurzen Vorausscheidung und einer umfangreicheren zweiten Runde mit je 4 Teams in insgesamt 12 Gruppen, nach deren Absolvierung sich die jeweils ersten beiden für die schließliche Endrunde qualifizieren, 5 Gruppen à 4 Teams, von denen sich nur der Gruppensieger schließlich für die WM in Südafrika qualifiziert. Da diese letzte Gruppenphase gerade erst angelaufen ist, sind Aussagen darüber, wer zur Zeit die Tabelle anführt bei teils erst einem absolvierten Spiel wenig aussagekräftig. Ein kurzer Blick auf die Favoriten, wie man sie von anderen WM-Turnieren kennt, erscheint trotzdem sinnvoll:
In Gruppe A startet Kamerun und hat mit Marokko und Togo zwei namhafte Gegner vor sich.
Gruppe B hat mit Tunesien und Nigeria ebenfalls zwei auf dem Papier starke Mannschaften zu bieten.
In Gruppe C wird es aller Voraussicht nach auf einen Zweikampf zwischen Algerien und Ägypten hinauslaufen.
In Gruppe D hat Ghana mit Mali, dem Sudan und Benin nur Gegner, die sich noch nie für eine WM qualifizieren konnten.
Und in Gruppe E tritt die Elfenbeinküste oder auch “Cote d’Ivoire” mit Superstar Didier Drogba von Chelsea an und bewies gleich mal im ersten Spiel mit einem 5:0 gegen Malawi, dass mit ihnen bei der WM ziemlich sicher zu rechnen sein wird.Südafrika als Ausrichter nimmt übrigens trotz seiner automatischen Qualifikation für die WM 2010 an diesen Ausscheidungsspielen teil, denn diese gelten ebenso als Qualifikation für den Afrika-Cup.
Südamerika 4 oder 5 Teilnehmer
Nur 10 Teams kämpfen hier um 4,5 Startplätze. 4,5 Startplätze bedeuten 4 sichere Teilnehmer und einen Teilnehmer, nämlich den Fünftplatzierten dieser Zehnergruppe, der schließlich Playoff-Spiele gegen den Viertplatzierten der Nord- und Mittelamerika- sowie Karibikzone bestreiten muss.
Natürlich ragen die beiden Favoriten Argentinien und Brasilien aus diesem Teilnehmerfeld heraus, aber relativ unbemerkt hat sich Paraguay in dieser Qualifikation in den letzten Jahren immer mehr zu einer festen Größe herangespielt. Seit 1998 waren sie bei jeder WM qualifiziert und scheiterten zwei Mal dann später erst im Achtelfinale (2002 mit Deutschland am späteren Finalisten und 1998 mit Frankreich (erst nach Verlängerung) am späteren Weltmeister). So überrascht es den Kenner nicht, dass Paraguay nach 12 von 18 Spieltagen die Tabelle der Südamerika-Qualifikation anführt. Zweiter ist Brasilien vor Chile, Argentinien mit Diego Maradona als Nationaltrainer ist nur Vierter und hat lediglich 2 Punkte Vorsprung auf den aktuell Fünftplatzierten Uruguay, welches dann an den Playoff-Spielen teilnähme.
Nicht qualifiziert wären nach aktuellem Stand in Südamerika Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Bolivien und Peru. Richtig chancenlos ist aber nur das abgeschlagene Peru. Bolivien hat nur 5 Punkte Rückstand auf den Fünftplatzierten Uruguay, ein Wert, der in der laufenden Qualifikation durchaus noch aufzuholen wäre.
Asien 4 oder 5 Teilnehmer
Asien befindet sich mittlerweile schon in der 4. Runde seiner Qualifikationsbewerbe für die WM 2010 in Südafrika. Nach vielfältigen Ausscheidungsspielen kämpfen zur Zeit 10 Teams in zwei Fünfergruppen um die ersten beiden Plätze in dieser Gruppe, womit 4 Teilnehmer direkt qualifiziert wären. Nachdem Australien seit der WM 2006 in der Asiengruppe, und nicht mehr in der Ozeaniengruppe antritt, hat es gute Chancen, sich erneut zu qualifizieren. Momentan als Tabellenführer ohne Gegentor auf dem ersten Platz der Gruppe A liegend, tritt es bei drei ausstehenden Spielen noch zwei Mal zu Hause an. Zweiter der Gruppe A ist zur Zeit Japan, schon mit einigem Abstand vor Bahrain. Usbekistan und Katar am Tabellenende haben wohl keine Chance mehr, sich zu qualifizieren.
In der Gruppe B liegen die beiden Brüderstaaten Nordkorea und Südkorea vorne, Südkorea bei einer Partie weniger aber mit einem Punkt mehr. Nordkorea hingegen ist punktgleich mit dem sonst stets qualifizierten Saudi-Arabien zweiter. Die weiteren Mitglieder der Gruppe B, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate haben jedoch nur noch theoretische Chancen zur Qualifikation.
Die jeweils Drittplatzierten bestreiten nach diesen Gruppenspielen ein eigenes Playoff, um zu ermitteln, welches Land schließlich gegen den Sieger der Ozeanien-Qualifikation antreten wird, um sich endgültig für die WM zu qualifizieren.
Nord- und Mittelamerika, Karibik 3 oder 4 Teilnehmer
In der ebenfalls mit vielen Vorlaufgruppen gestalteten Qualifikation des CONCACAF, so der Name dieses Verbandes, qualifizieren sich schon seit Jahrzehnten zwei Teilnehmer eigentlich immer: USA und Mexiko. Dazu kommt dann meist je ein bzw. zwei Underdogs, die einen der vielen interessanten Farbtupfer bei den WM-Turnieren bilden. Überraschenderweise liegt Mexiko zur Zeit aber nur auf dem vierten Platz dieser sechs Teams umfassenden letzten Qualifikationsgruppe. Die USA führen vor Costa Rica und Honduras, nach Mexiko folgen auf den Plätzen 5 und 6 El Salvador und Trinidad & Tobago. Da hier aber erst 3 von 10 benötigten Spieltagen absolviert sind, ist diese Tabelle ebenso wenig aussagekräftig wie die Situation bei der Qualifikation in Afrika. Der Viertplatzierte tritt wie erwähnt zu Playoffspielen gegen den Fünftplatzierten der Südamerika-Qualifikation an.
Ozeanien 0 oder 1 Teilnehmer
Nach dem Austritt Australiens scheint zumindest auf dem Papier der Sieger von vorneherein festzustehen. Einzige Nation mit ausreichender Einwohnerzahl und Infrastruktur, um überhaupt ein Team unter Profibedingungen zusammenzustellen, ist Neuseeland. Die insgesamt 9 Gegner Neuseelands in dieser Qualifikation umfassen Teams wie Tuvalu, Amerikanisch-Samoa (welches den Weltrekord bei Niederlagen in Pflichtspielen hält – 0:31 gegen Australien in einer WM-Qualifikationspartie), Tonga oder Vanuatu. So gewann Neuseeland die gleichzeitig als Ozeanienmeisterschaft geltende Endrunde dieses Verbandes und spielt nun noch einmal Ausscheidungsspiele gegen den Zweitplatzierten Neukaledonien, um dann aller Voraussicht nach gegen Japan, Bahrain, Nordkorea oder Saudi-Arabien um das letzte der 31 WM-Tickets zu spielen.
Wie man sieht, ist die Qualifikation ist immer wieder für Überraschungen gut. So tut sich zur Zeit Frankreich schwer, auch Argentinien ist nur einige wenige Pünktchen von einem Platz entfernt, auf dem man sich nicht mehr qualifiziert. Mexiko mit Startproblemen und der Senegal schon ausgeschieden. Positiv überraschen zur Zeit Nationen wie Costa Rica, Nordirland oder Nordkorea (natürlich nur bezogen auf die WM-Qualifikation im Fußball), die man meist schon lange nicht mehr (Nordkorea: 1966, Nordirland: 1982) bei einer WM hat spielen sehen.
Aber noch ist ja viel Zeit, eventuell unliebsame Tabellenstände zu bereinigen. Bis zur Auslosung der WM-Gruppen Ende 2009 wird also noch das eine andere Tor die Stimmung der Spieler und Fans beflügeln oder verhageln. Man darf gespannt sein, welche Neulinge diesmal dabei sein werden, und ob es Ozeanien nach Australien 2006 erneut schafft, einen Teilnehmer zu qualifizieren.
In jedem Falle wird das Teilnehmerfeld der WM 2010 wieder einzigartig sein.
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[...] ist die Fußball-Nationalmannschaft Deutschlands gar nicht qualifiziert — zugegeben, die Chancen stehen gut — da sucht Team-Manager Oliver Bierhoff schon nach einem geeigneten Quartier in Südafrika, [...]
Pingback by Bierhoff auf der Suche: Deutsches WM-Quartier in Südafrika | Touring-Afrika: Afrika Blog — 24. April 2009 @ 15:00