Dalai Lama darf nicht nach Südafrika
25. März 2009| Tweet |
Zur WM 2010 wollte sich die bekanntermaßen immer noch junge Demokratie Südafrika als in dieser Disziplin ihrer Entwicklung vorbildlich präsentieren. Das ist nun gründlich misslungen.
Im Rahmen der Vorbereitungen zur WM 2010 im eigenen Land war ein Benefizspiel zwischen der Fußball-Nationalmannschaft Norwegens und der Auswahl des Gastgeberlands Südafrika im Royal-Bafokeng-Stadion in Rustenburg geplant. Als Teil des Programms um dieses Benefizspiel zugunsten der Nelson-Mandela-Stiftung herum war zudem ein Treffen diverser politischer und kultureller Größen angedacht. Zweck der gesamten Veranstaltung war nicht nur, einer breiten Weltöffentlichkeit die Fortschritte bei den Vorbereitungen auf die WM 2010 in Südafrika zu zeigen, sondern auch den Kampf des Fußballs gegen die erade in Südafrika relevanten Themen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in den Vordergrund zu stellen.
Neben Vertretern des Nobelpreis-Kommitees aus Schweden war auch der Dalai Lama eingeladen. Doch der Dalai Lama erhielt kein Visum von der südafrikanischen Regierung, woraufhin das gesamte Prozedere Schaden nahm und Südafrika nun in schlechtem Lichte bezüglich seiner politischen Autonomie dasteht. Seitens der Regierung wurde die Argumentation vorgeschoben, man wolle “Schaden” von der Veranstaltung abwenden. Das Hauptaugenmerk der Öffentlichkeit solle auf der WM in Südafrika liegen und nicht auf politischen Diskussionen, mit denen man als Ausrichter der WM im Grunde nichts zu tun habe. Diese Scheinheiligkeit ist allzu offensichtlich.
Hinter vorgehaltener Hand wird von Druck berichtet, den China auf Südafrika ausgeübt haben solle. China zählt zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern Südafrikas. Natürlich ist die bloße Anwesenheit des Dalai Lama bei derlei Aktivitäten den chinesischen Machthabern ein Dorn im Auge. Dass nicht allein die Trennung von Sport und Politik aufgegeben wurde, sondern vor allem, dass man sich diesem Druck gebeugt hat, ist das, was nun von den Aktivitäten der Regierung in Südafrika zurückbleibt. Wo sich Südafrika als unabhängige Demokratie hätte präsentieren können, die sich nicht von außen unter Druck setzen lässt, bleibt der schale Beigeschmack einer vergebenen Chance. Immerhin im eigenen Lande, so demokratisch ist Südafrika dann doch schon, wurde Kritik laut. Die Zeitungen schrieben völlig zurecht davon, dass die Visums-Verweigerung für den Dalai Lama nun wesentlich mehr – in dem Fall – negative Presse erhielte als es die Konferenz selbst an positiver gehabt hätte: Seine Seele habe man verkauft und Fragen werden laut, ob die Regierung blind sei für das, was man mit dieser Entscheidung angerichtet habe.
Die vermeintlich weiße Weste des Dalai Lama ist zwar nicht ganz so eindeutig, wie der Laie zu wissen meint, denn auch die Tibeter sind trotz ihres geschickten Marketings keine Chorknaben und haben durchaus einige dunkle Kapitel in ihrer Geschichte vorzuweisen. Die Vorgehensweise der Regierung Südafrikas lässt dennoch nicht nur interne Beobachter erschrecken. Öffentlich ausgerechnet von der chinesischen Regierung für dieses rigide Vorgehen gelobt zu werden, bringt in den Augen der Weltöffentlichkeit die falschen Partner für Südafrika auf den Plan.
Südafrikanische Taxifahrer, die auf gute Geschäfte während der WM 2010 hoffen, verursachten bereits aus Protest über diese Entscheidung ein Verkehrschaos, zudem wurden weitere Aktionen angekündigt, mit denen man seinem Unmut Luft machen wolle. Ausgerechnet zum Zeitpunkt der Einführung des Bus-Systems, das auch bei der WM genutzt werden solle, sind Streiks und andere die Infrastruktur in Südafrika beeinträchtigende Ereignisse weitere Negativ-Werbung für das Land: Das Gegenteil dessen, was man erreichen wollte.
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Schlagworte: Dalai Lama, Dalai Lama Visum, Rustenburg, Südafrika, WM 2010



