Religion in Ägypten

Ägypten ist ein islamisches Land, das zwar in der Verfassung die Religionsfreiheit verankert hat, doch in der Realität weit von diesem Anspruch entfernt ist. Der Islam ist die unumstrittene Staatsreligion. Das Judentum und das Christentum sind ebenfalls anerkannt, alle anderen Religionen werden massiv benachteiligt. In einen ägyptischen Pass muss eine Religion eingetragen werden. Die Auswahlmöglichkeiten sind islamisch, christlich und jüdisch. Wer sich nicht zu einer dieser Glaubensrichtung zählt, verzichtet automatisch auf den Pass und damit de facto auch auf seine Bürgerrechte.
Doch auch Juden und Christen müssen mit Diskriminierungen leben. Antisemitismus ist weit verbreitet und die koptischen Christen werden in der Religionsausübung behindert. So dürfen z.B. keine koptischen Kirchen mehr gebaut werden. Wenn ein Muslim zum Christentum wechselt, muss er um Leib und Leben fürchten. Sogar von hochrangigen Politikern wurde in der jüngeren Vergangenheit die Todesstrafe für diesen Fall gefordert.
Fast alle ägyptischen Muslime sind Sunniten. Die Religion prägt nicht nur das kulturelle Leben, auch die Politik steht unter ihrem Einfluss. Die Scharia ist die wichtigste Quelle für die ägyptische Gesetzgebung. Es gibt jedoch auch sehr moderne islamische Strömungen, die in der Al-Azhar-Universität ihren Ursprung haben. Gleichzeitig gilt Ägypten aber auch als ein Land, in dem der islamische Fundamentalismus verbreitet ist. Die einflussreiche Muslimbruderschaft hat in Ägypten viele Anhänger.
Das koptische Christentum ist die wichtigste christliche Kirche in Ägypten. Etwa 10-15 Prozent der Ägypter sind Christen. Ihr Einfluss ist jedoch sehr gering. Durch die Radikalisierung, die es in Teilen des Islams in den letzten Jahren gegeben hat, ist es auch immer wieder zu Übergriffen auf Christen gekommen. Terroristische Angriffe kommen vor und gelegentlich gibt es auch gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. Besonders betroffen ist Oberägypten.

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts lebten etwa 70.000 Juden in Ägypten. Aufgrund der poltischen Umstände hat sich diese Zahl auf etwa 100 reduziert. Die Kriege mit Israel haben dazu geführt, dass die Juden in Ägypten nicht mehr sicher leben konnten. Zudem wanderten viele nach Israel aus. Heute ist es so, dass die jüdische Religion ausgeübt werden darf. Aufgrund der marginalen Zahl der Juden im Land ist dieses Recht jedoch nicht von großer Bedeutung.