Katharinenkloster

Der brennende Dornenbusch ist jedem Christen bekannt. Im Alten Testament wird beschrieben, wie Gott sich Moses in dieser Form offenbarte und ihm seinen Namen „JHWH“ mitteilte. Das Katharinenkloster auf der Sinai-Halbinsel soll der Legende nach genau an der Stelle stehen, an der diese Begebenheit einst stattfand. Der heutige Name des Klosters bezieht sich aber auf eine andere Geschichte. Danach soll ein Engel die sterblichen Überreste der heiligen Katharina von Alexandrien an. Doch weder die Existenz der Gebeine noch dieser Heiligen lassen sich historisch nachweisen.
Zwischen 548 und 565 wurde das Katharinenkloster am Berg Sinai errichtet. Damit gehört es zu den ältesten christlichen Klöstern überhaupt. In seiner langen und wechselhaften Geschichte wurde es nie zerstört. Die abgeschiedene Lage und eine Garantie des islamischen Propheten Mohammed, der das Katharinenkloster mehrfach besucht haben soll, sind die Hauptgründe dafür.
Katharinenkloster
Katharinenkloster
Heute ist das griechisch-orthodoxe Kloster ein beliebtes Touristenziel. Es befindet sich in der Nähe von Milgra, inmitten eine unwirtlichen Einöde. Die jährlich wachsenden Besucherströme haben dafür gesorgt, dass der Zugang in den vergangen Jahren beschränkt worden ist. Deswegen ist es wichtig, vor einem Besuch die aktuellen Öffnungszeiten zu erfragen. Zudem sollte man auch keinen großen Komfort erwarten, wie er in manchen deutschen Klöstern geboten wird. Ein kleines Café ist das einzige Zugeständnis, das die Mönche machen.
Das Katharinenkloster besitzt eine große Bibliothek, in der über 6000 Handschriften aufbewahrt werden. Wissenschaftler aus der ganzen Welt finden sich ein, um an den alten Manuskripten zu forschen. Die berühmteste Handschrift des Klosters, der Codex Sinaiticus, ist allerdings nicht mehr in der Bibliothek zu finden. Der Theologe Tischendorf kam auf nicht ganz geklärte Weise in den Besitz des wertvollen Bibelmanuskripts. Ein Teil befindet sich bis heute in der Universitätsbibliothek Leipzig. Auf abenteuerlichen Wegen gelangte der Hauptteil zunächst nach St. Petersburg und schließlich in das British Museum nach London. Lediglich 15 Pergamentseiten, die im Jahr 1975 in einem vergessenen Raum gefunden wurden, befinden sich heute im Katharinenkloster.

Berühmt ist auch die Ikonensammlung des Klosters. Insgesamt befinden sich 2000 Ikonen im Katharinenkloster, von denen einige sogar die Bilderstürmer überstanden haben. Die berühmteste Ikone zeigt einen Christus Pantokrator und soll nach der Legende von Gott selbst geschaffen worden sein. Ein solches Bild wird im orthodoxen Christentum Acheiropoíeton genannt. Einem solchen Gegenstand werden heilende Kräfte nachgesagt. Nicht zuletzt deshalb pilgern jedes Jahr Christen in das Katharinenkloster. Aber auch für einen kulturinteressierten Atheisten hat dieser besondere Ort viel zu bieten.

Quellenhinweise zu den Bildern: oben: © Grasberger / Pixelio unten: © Uwe Kortengräber / Pixelio